Auch Colin Wilkie gastierte beim Folkfestival in Witten. Foto: Fischer / WAZ FotoPool

Ein Stückchen Irland im Burghof

WAZ. Zwei Tage lang versprühte der Innenhof von Haus Witten die Atmosphäre irischer Lebensfreude: Erstmals fand hier das nunmehr vierte Wittener Folkfestival statt, das Freunde der urigen Live-Musik in die Ruhrstadt lockte.

Unter den Zuhörern sind dabei nicht nur die Fans der ersten Stunde, die die Folk-Bewegung noch aus der eigenen Jugendzeit kennen, sondern auch viele jüngere Gesichter. Die 22-jährige Debora ist sichtlich ergriffen: „Ich war 2008 in Irland und diese Musik erinnert mich gerade ganz stark an meinen dortigen Aufenthalt“, sagt sie. „Der Gesang ist so schön, dass ich richtiges Fernweh bekomme.“ Der raue Nieselregen zum Auftakt am Freitag, die historischen Burgmauern, das Irish Stew und „Kilkenny“-Bier schaffen einen authentischen Rahmen für die Live-Musik der Gruppe Stephen’s Green, die das Festival eröffnet. Bei der Zugabe „What shall we do with the drunken sailor“ singen die ersten Zuhörer beherzt mit. „Das ist einfach richtige Stimmungsmusik“, schwärt ein Besucher. „Das erinnert mich an meine Platten aus den 70ern. Damals habe ich zum Beispiel gerne Lieder von Hannes Wader gehört.“

Veranstalterin Lilo Dannert, freut sich über den regen Zuspruch und schwelgt etwas in alten Erinnerungen: „Früher hat es hier in Witten ja eine richtig belebte Folk-Szene gegeben“, erzählt sie. „Damals hat im berühmten Folkclub an der Steinstraße sogar Herbert Grönemeyer gespielt.“ Viele der damaligen Kneipen bestehen längst nicht mehr. Die Live-Musik in Bars sei mittlerweile selten, so Dannert. Deshalb bemüht sich der Folk-Verein, an die früheren Erfolge anzuknüpfen. Neben der jährlichen Reihe „Folk am Fluss“ besteht seit kurzem auch eine Kooperation mit der Kulturkneipe Maschinchen Buntes, in der einmal pro Monat ein kleiner Folk-Abend organisert wird.

Die Besucherzahlen von rund 450 Gästen beim diesjährigen Folkfestival zeigen, dass die Szene auch weiterhin lebendig ist. Trotzdem hätten sich die Veranstalter mehr einheimische Besucher gewünscht. Lilo Dannert: „Es kamen viele Zuhörer von außerhalb, darüber freuen wir uns besonders. Aber es wäre schön gewesen, wenn auch mehr Wittener gekommen wären.“

WAZ-Bericht von Anna Ernst

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